Die Weihnachtsfeier als Karrierechance

Kommunikation

Mittwoch, den 17. März 2010 um 09:52 Uhr

Die Weihnachtsfeier als Karrierechance - Ein Interview von Verena Wolff (monster.de) mit Marisa Pfister:

Alle Jahre wieder naht mit der besinnlichen Adventszeit auch die Weihnachtsfeier im Büro. Ob geliebt oder gehasst - besser ist es, sich bei der Veranstaltung blicken zu lassen.

"Die Weihnachtsfeier ist ein Mittel, um mit den Menschen warm zu werden, mit denen man alltäglich arbeitet", sagt Marisa Pfister, Unternehmerin und Beraterin in Sachen Benimm und Businessetikette. In der lockeren Atmosphäre kommt es zum Austausch vieler Informationen, die im täglichen Geschäftsleben auf der Strecke bleiben.

Weihnachtsfeiern können Türen öffnen

"Eine Weihnachtsfeier kann auch ein Türöffner sein", erklärt Pfister. Abseits des Büros komme das Gespräch in gemütlicher Atmosphäre schnell auf Inhalte, die den ganzen Menschen zeigen: Hobbys, Interessen, Ansichten. "Vielleicht fallen dem Chef Dinge auf, die ihm im formellen Personalgespräch verborgen geblieben sind." Wer einen guten Eindruck hinterlässt, könne sich fast sicher sein, nach der Weihnachtsfeier unter verstärkter Beobachtung zu stehen und sich Chancen für eine Beförderung ausrechnen.

Doch genauso, wie eine Weihnachtsfeier positiv für die eigene Laufbahn ausfallen kann, passiert mitunter auch das Gegenteil.

"Wirklich negative Folgen hat man aber nur zu befürchten, wenn man total abstürzt und sich dann auch noch komplett daneben benimmt", sagt die Expertin. Im Allgemeinen sei aber klar, dass eine Weihnachtsfeier eine informelle Veranstaltung ist und dass Alkohol fließt. "Ausrutscher werden darum meist nachgesehen."

Am Morgen danach hilft das japanische Prinzip

Marisa Pfister hält für die geschickteste Vorgehensweise am "Morgen danach" das, was sie das "japanische Prinzip" nennt: "Die Japaner sind ein stilles Volk. Aber wenn sie feiern, dann lassen sie alle Hüllen fallen. Und am nächsten Tag redet niemand darüber." Dies sei auch bei heimischen Partys ein guter Grundsatz. "Besonders das Siezen und das Duzen sind eine kniffelige Sache", sagt sie.

Auf keinen Fall solle ein Angestellter den Vorgesetzten am Morgen nach der Feier im Büro allzu persönlich ansprechen. "Zumindest sollte man mal abwarten, was der Chef macht - er muss die Gangart bestimmen." Auch über eventuelle Ausrutscher sollte der Mantel des Schweigens gehüllt werden.

Nicht jedes Fehlverhalten ist entschuldbar

Das heißt allerdings nicht, dass Fehlverhalten in jedem Fall geduldet werden müssen - schon gar nicht, wenn jemand zudringlich geworden ist. Das hat Claudia Mies bei ihrer vergangenen Weihnachtsfeier erlebt. "Mein Chef hatte mich zum Tanzen aufgefordert. Ich fühlte mich wie in den Armen eines Tintenfisches - er hatte seine Hände plötzlich überall", erinnert sich die Angestellte.

Kein Grund zur Panik, aber ein Moment für eine klare Ansage, meint die Benimm-Trainerin. "Es gibt klare Grenzen. Und das gilt auch für die Weihnachtsfeier", sagt sie. Trotz aller Emanzipation - Frauen müssten im Berufsleben ihre Grenzen nach wie vor enger abstecken als ihre männlichen Kollegen. "Frauen sollten sich beim Trinken mäßigen, um in solch brenzligen Situationen die Oberhand behalten zu können." Außerdem sollte frau nicht unbedingt im ultrakurzen Minirock auflaufen, "es sei denn, sie will mit einem Kollegen anbandeln".

Männer verstehen Botschaften anders

Wer sich belästigt fühlt, kann verbal zurückschlagen - auch über die Hierarchieebenen hinweg. "Die Herren brauchen die direkte Ansprache", sagt Marisa Pfister. Während Frauen untereinander mit wenigen Zeichen kommunizieren können, müsse dem anderen Geschlecht deutlich zu verstehen gegeben werden, dass das Verhalten nicht in Ordnung ist. "Männer verstehen Botschaften einfach anders."

Aber nicht nur zwischen Frauen und Männern kann es zu unliebsamen Begegnungen zwischen Vorspeise und Dessert kommen. Auch ein Zickenkrieg kann die Stimmung gründlich vermiesen. "Da öffnet sich manchmal ein Ventil", sagt die Trainerin. Doch ein Streit zwischen zwei Frauen wird nicht selten durch Unwissen oder Fehlinformationen ausgelöst. "Das sind schlicht Kommunikationsprobleme." Auch hier gilt: "Nicht wegblenden, darauf eingehen." Meist entlade sich ein Frustbrocken, und "am Ende hat man einen Schritt nach vorn getan."

Die ganz großen Ausrutscher sind selten

Weihnachtsfeiern, die komplett unspektakulär verlaufen, sind selten - ganz große Ausrutscher allerdings auch. "Ausrutscher würden nur dann nicht passieren, wenn man den Alkohol verbieten würde." Die Alternative: Parties mit Aktionen unter einem bestimmten Motto, bei denen die Mitarbeiter keine Zeit zum Alkoholkonsum haben. In jedem Fall raten Experten aber dazu, die Party außerhalb des Büros stattfinden zu lassen - der besseren Atmosphäre wegen.

Übrigens: Kommt es zu Unfällen während der Party oder auf dem Weg dort hin, gilt in der Regel der gesetzliche Unfallschutz. Das Bundessozialgericht in Kassel hat allerdings in einem Urteil festgelegt, dass die Feier von ihrem Charakter her eindeutig dazu geeignet ein müsse, die Verbundenheit zwischen den Betriebsangehörigen zu fördern. Anders sieht die Versicherungslage aus, wenn ohne die Billigung des Chefs gefeiert wird oder in einzelnen Abteilungen nach der eigentlichen Party noch mal gefeiert wird - auch dazu gibt es verschiedene Gerichtsurteile.