Zickenterror im Büro |
Kommunikation |
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| Mittwoch, den 17. März 2010 um 10:02 Uhr | |||
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Zickenterror im Büro - Ein Interview von Verena Wolff (monster.de) mit Marisa Pfister: In deutschen Büros ist er an der Tagesordnung und selbst Prominente sind nicht davor gefeit: der Zickenkrieg. Manchmal hilft nur der Gang zum Chef. Die Sängerin Nina Hagen und die ehemalige "Grüne" Jutta Ditfurth gerieten in der Fernsehsendung "Menschen bei Maischberger" über die Frage einer deutschen Bundeskanzlerin aneinander. An Schreibtischen und in Abteilungen größerer und kleinerer Firmen müssen die Anlässe gar nicht so staatstragend sein: Der Wettbewerb um einen eventuellen Aufstieg, unterschiedliche Ansichten oder schlicht Gerüchte und Getuschel können im Zickenkrieg eine Rolle spielen. "Das sind bestimmte Typen, die dazu neigen", sagt Recruiting Consultant Tim Ackermann. Die Zickenkriege werden überwiegend unter Frauen ausgetragen, aber auch Männer sind vor Ärger im Büro nicht gefeit: "Das sind aber meist Hahnenkämpfe: Da geht es um Macht und Status und nur manchmal um Eitelkeiten." Wenn die Emotionen blank liegenFrauen hingegen kämpften auf emotionaler Ebene. "Das ist oft irrational und darum schwer zu greifen", sagt er. "Oft geht es ja darum, andere schlecht dastehen zu lassen und sich selbst als besser darzustellen." Auch bei Frauen gehe es sehr wohl um Status, aber auch um Äußerlichkeiten. "Wenn zum Beispiel ein gut aussehender Chef ein Team von Frauen leitet, kann man davon ausgehen, dass es irgendwann zum Zickenkrieg kommt." Die kleinsten Anlässe können Auslöser für den Krieg im Büro sein: "Oft sind es nur Gerüchte." Unwissen und Fehlinformation sind nach Ansicht von Marisa Pfister oft Gründe für den Zickenkrieg, der mitunter zu den unmöglichsten Zeiten ausbricht - etwa auf einer Firmenfeier. Die Beraterin in Sachen Benimm und Businessetikette rät zum offensiven Umgang mit der schwierigen Situation: "Nicht wegblenden, darauf eingehen." Dem Problem auf den Grund gehenDenn meist zickt eine Frau eine andere an. "Manchmal weiß man in dem Moment gar nicht, was eigentlich gerade passiert ist." Werde eine Frau derart angegangen, sei Offenheit mitunter der beste Schachzug. "Am besten fragt man einfach, wo das Problem eigentlich liegt." Denn häufig sei der Auslöser schlicht ein Kommunikationsproblem, das eine ganze Lawine von Missverständnissen nach sich ziehe. Die Grenzen zwischen dem Zickenkrieg und handfestem Mobbing sind dabei oft fließend. So hat der Mobbing-Forscher Heinz Leymann ebenfalls herausgefunden, dass ein schlecht verarbeiteter Konflikt oft Grund allen Übels ist. "Mobbing-Attacken gegen Kollegen werden nur selten von wirklich bösartigen Menschen geführt", heißt es bei ihm. Dennoch: Häufig ist der Prozess schleichend, Kollegen machen mit, ohne sich Gedanken über Auswirkungen zu machen. Sachlichkeit hilft weiter
Tim Ackermann unterscheidet zwei Situationen: "Wenn so ein Streit öffentlich, also etwa in einer Sitzung ausgetragen wird, kann man ihm mit Sachargumenten begegnen", sagt er. In diesem Moment sei die beste Vorgehensweise, einem aufkommenden - wenn auch persönlich motivierten - Streit durch eine sachliche Argumentation den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seien sich zwei Frauen einfach nicht grün und zickten gegenseitig durch das Büro, sei oft die Vermittlung durch einen Dritten angesagt. Letze Konsequenz KündigungViele Firmen haben inzwischen erkannt, dass Zickenterror nicht nur Prozess und Ablauf stören kann, sondern auf Kosten der Arbeitskraft geht. Auch wenn die Schikanierenden am Arbeitsplatz sehr viel Energie entwickeln, um ihren Kollegen das Leben schwer zu machen: Insgesamt vermindert Mobbing am Arbeitsplatz die Effektivität. So ist in einer deutschen Studie herausgefunden worden, dass von Mobbing Betroffene zuerst mit erhöhter Leistung reagierten. Das schlägt laut Leymann allerdings häufig in die so genannte innere Kündigung um, wenn die Ausweglosigkeit einer Situation klar wird: "Das Bemühen ist sinnlos, und dann wird nur noch auf Anweisung gearbeitet." Immerhin bieten "manche Unternehmen Schulungen zu diesem Thema an", wie Ackermann erklärt. Dennoch: Kann der Zickenterror weder in der Gruppe noch über die Hierarchieebenen hinweg gelöst werden, hilft manchmal nur die Kündigung. So wurde etwa in einer schwedischen Untersuchung festgestellt, dass rund 60 Prozent der freiwilligen Austritte aus Unternehmen mit Unbehagen oder Schikane am Arbeitsplatz begründet werden. Für die Firmen ist Schikane oder Mobbing am Arbeitsplatz nicht ganz billig. Denn von Mobbing Betroffene haben häufiger Fehltage. Und die kosten die Firmen, je nach Arbeitsplatz und Hierarchieebene, zwischen 100 und 500 Euro täglich.
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