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System zum Lösen komplexer Probleme, die nicht oder nicht vollständig algorithmierbar sind.
Erst das Zusammenwirken von
• Methode,
• Verhaltensweisen und
• Management
unter Berücksichtigung der Umwelt ergibt die Forderung, alle für die Problemlösung
wichtigen Einflüsse möglichst vollständig zu berücksichtigen sind.

Heutiger Entwicklungsstand
Anwendung der Wertanalyse in Europa seit Ende der 50er Jahre:
- Ab 1959 in Deutschland zuerst Unternehmungen der Kraftfahrzeug- und Elektroindustrie
- Anfang 1967: Gründung des VDI-Gemeinschaftsausschusses Wertanalyse
Weitgehende Verbreitung in:
Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Schweiz, Skandinavien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Russland.
Weitere WA-Organisationen sind in Brasilien, Indien, Japan, Südafrika, Südkorea und in den USA ansässig.
Ausbildungsstätten
Japanische Hochschulen und deutsche Fachhochschule in Pforzheim (ehemals Professor S. Händel) Wertanalyse als autonomen Studiengang
Anwendungsbereiche Anwendung der Wertanalyse
Zunächst zur Verbesserung bereits bestehender Erzeugnisse oder Dienstleistungen (Wertverbesserung). Nach etwa 1960 zur optimalen Gestaltung von Erzeugnissen oder Dienstleistungen während der Entwicklung und Konstruktion/Gestaltung (Wertgestaltung).
"Anwendungsneutraler" Einsatz der Wertanalyse:
Bei Produkten und Dienstleistungen ,bei Verfahrens- und Organisationsabläufen, Organisationsstrukturen und bei Informationsflüssen
"Stückzahlenneutraler" Einsatz:
Bei Projekten, die nur einmal hergestellt werden (Anlagen), und bei Projekten mit jährlicher Millionenstückzahl (Konsumgüter)
Schwerpunkte der Wertanalyse:
• "In-Frage-stellen des Bestehenden oder gerade Entstehenden"
• Detaillierte Beachtung des Wertes
• Die Untersuchung der Kosten, die für diesen Wert aufzuwenden sind
• Interdisziplinäre Teamarbeit
(Kontakte im Unternehmen herstellen / Ressort-Schranken überwinden)
Voraussetzung für eine erfolgreiche Wertanalyse:
• ein, dem neuen Denken aufgeschlossenes Betriebsklima
Anwendungsansätze
• Wertanalyse bei einer entstehenden Leistung (Wertgestaltung)
• Wertanalyse bei einer bestehenden Leistung (Wertverbesserung
Wertgestaltung (WG/EWA):
Wertanalyse-Arbeit im Vorstadium eines Erzeugnisses, Produktteiles oder einer Dienstleistung.
Vorteile:
• Minimierung der Objektkosten dieser Phase leichter ausführbar
• Änderungen noch mit wenig Kosten ausführbar
Allgemein gilt: Wertanalyse soll so früh wie möglich auf ein Produkt oder eine Dienstleistung angesetzt werden. Mit fortschreitender Lebensdauer werden die
erforderlichen Änderungskosten im Allgemeinen immer größer. Die Spanne möglicher Kostensenkungen dagegen immer kleiner.

Erzeugniskostensenkung und Änderungskosten mit fortschreitender Lebenszeit. Reichweite der Wertanalyse und der Anwendungsbereiche für Wertgestaltung und Wertverbesserung.
Ziele der Wertanalyse:
- die Erhöhung der Gesamtheit von Gebrauchs- und Geltungswert
- Verminderung der Summe der Kosten und des Perfektionswertes
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Funktionen |
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Wert |
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------------- |
= |
---------- |
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Mittel |
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Kosten |
- Kunde: Maximierung des Nutzen Hersteller: Minimierung der Kosten
Fragestellung von Miles: "Ist es eigentlich wert, was es kostet? führt zur Eliminierung unnötiger Kosten und zu einem optimalen Verhältnis von Nutzen zu Kosten.
Quantifizierbare Zielvorgaben
An Richtwerten für Kostenziele und dem erforderlichen Aufwand bei Wertanalyse können genannt werden:
- Bei einer erstmaligen Untersuchung eines Produktes aus bestehender Fertigung kann eine Senkung der Herstellkosten von etwa 20-30% erreicht werden.
- Eine nochmalige wertanalytische Untersuchung desselben Erzeugnisses nach 5-6 Jahren kann eine Ersparnis von durchschnittlich 10-15% bringen.
- Demgegenüber bewegt sich der Gesamtaufwand für eine Wertanalyse-Untersuchung ein- schließlich der Realisierung zwischen 10% und 25% der Kostensenkung, die im ersten Jahr der Untersuchung erreicht wird.
Wertdenken
Die Beurteilung des Wertes ist insofern von besonderer Bedeutung, dass zwischen verschiedenen Standpunkten differenziert werden muss:
- Wert aus der Sicht des Abnehmers (Kunde) und
- Wert aus der Sicht des Anbieters (Unternehmer).

Wertarten
Die minimalen Kosten der beachteten Funktion ergeben sich durch Zerlegen der Funktion in Wertbestandteile (Wertarten). Bestandteile der Wertarten sind vor allem der Gebrauchs- und Geltungswert.
"Gebrauchswert"
umfasst diejenigen Eigenschaften und Qualitäten eines Objektes, die eine Ausübung der ursprünglichen Grundfunktion ermöglichen. Entspricht den niedrigsten Kosten, welche den Gebrauchsfunktionen zugeordnet werden können.
"Geltungswert"
oberstes Extrem wäre der Liebhaberwert eines Wirtschaftsgutes. Entspricht den Kosten, die für die Eigenschaften und Merkmale bzw. Anziehungen eines
Gutes entstehen, welche den Abnehmer dazu bewegen, das Objekt zu erwerben.
Denken in Funktionen
Bei wertanalytischen Untersuchungen stehen die Funktionen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Ein Hauptkriterium der Wertanalyse:
Das systematische Abfragen eines Produktes, eines Einzelteiles oder einer Dienstleistung nach seinen (ihren) Funktionen.
Funktionenbeschreibung
Zweck der Funktion:
Loslösen vom vorgefundenen Ist-Zustand. Die Beschreibung soll stets beim Objekt als Ganzem beginnen. Sie ist besonders bei komplexen Wertanalyse-Objekten sinnvoll, um die Übersicht zu verbessern, die Funktionszusammenhänge zu erkennen die Funktionsbewertung zu erleichtern, damit bereits zu diesem Zeitpunkt das Erkennen von Lösungsmöglichkeiten systematisch gefördert werden kann. Funktionen sind herstellerorientiert und abnehmerorientiert. Der Kunde kauft also in erster Linie Funktionen.
Funktionenarten:
Unterscheidung in: Gebrauchsfunktionen und Geltungsfunktionen. Aufteilung der Funktionen in: technische und vom Prestige abhängigen Aufgaben.
Gebrauchsfunktionen:
zur technischen und wirtschaftlichen Nutzung des Wertanalyse-Objektes erforderlich.
Geltungsfunktionen:
Erfüllung geschmacklicher oder prestigeorientierter Ansprüche Berechtigung bei Wunsch des Kunden nach dieser zusätzlichen Funktion.
Funktionsklassen
Differenzierung nach Haupt- und Nebenfunktionen Hauptfunktionen kennzeichnen die eigentlichen Hauptaufgaben oder den Verwendungszweck des Untersuchungsobjektes. Ihre Erfüllung ist unerlässlich. Nebenfunktionen kennzeichnen weitere notwendige Aufgaben, die dazu beitragen müssen, die Hauptfunktionen zu erfüllen. (Ergänzungsfunktion zur Erfüllung der Hauptfunktion).
Forderung:
Nebenfunktionen weitgehend eliminieren oder durch Zusammenfassung auf ein Mindestmaß zurückführen.
Unnötige Funktionen sind nicht erforderliche Funktionen und müssen eliminiert werden.
Funktionenanalyse
Vorgehensweise:
1. Ermittlung der Funktion für das gesamte Objekt.
2. Bestimmung der Funktionen von
- Einzelteilen eines Produktes
- Teilabläufen einer Dienstleistung
3. Ausgehend von der Hauptfunktion des Wertanalyse-Objektes - Suche nach alternativen Lösungen
4. Finden von günstigeren neuen Lösungskonzepten zur Erfüllung der geforderten Hauptfunktion
5. Suche nach Ideen zur Erfüllung der Nebenfunktionen
Funktionenkostenmatrix
Funktionenkosten:
Kosten, welche der Produzent zur Erstellung einer Funktion aufwendet Ermittlung durch Zuordnung der Herstellkosten der Baugruppen und Teile zu den Funktionen. Die Funktionenkostenmatrix zeigt den Zusammenhang zwischen nachfolgenden Größen:
Funktionen, Funktionenträger (Teile, Tätigkeiten), Funktionenträgerkosten (Herstellkosten, Gemeinkosten) und Funktionenkosten.
Schwerpunktbestimmungen in der Kostenmatrix werden durch folgende Fragen erleichtert:
Wie verhalten sich die Funktionenkosten verschiedener Funktionen zueinander? Wie bewertet der Kunde/Unternehmer die Funktionen? Welche Teile oder Abläufe können entfallen oder vereinfacht werden, wenn die betreffen den Funktionen nicht erfüllt werden müssten? In welchem Verhältnis stehen die Funktionenkosten zu denen der Konkurrenzprodukte?
Ideengewinnung
Die für den Wertanalyse-Erfolg ausschlaggebenden Aktivitäten liegen in der:
Ideengewinnung, Ideenprüfung und Ideenverwirklichung (mit den Stufen technische Entwicklung, Produkt- und Markttests, Markteinführung).
Ideenproduktion
"Um Kreativität anzuregen, muss man einen kindlichen Hang zum spielen und Sehnsucht nach Anerkennung entwickeln." Kreativität beinhaltet spezielle Problemlösungsprozesse, die durch Neuheit, Unkonventionalität, Ausdauer und schlecht definierte Problemstellungen gekennzeichnet sind. Kreativität wird nur durch die freie Entfaltung der Teammitglieder gefördert.
Unterscheidung von Methoden:
die auf logisch-kombinativen Denkprozessen (diskursive Verfahren) und die auf spontan-kreativen Eingebungen aus dem Unterbewusstsein (intuitive Verfahren) basieren.
Diskursive Verfahren:
Fragenkataloge Funktionsanalysen Morphologie
Ideenprüfung
Gesammelte Vorschläge werden hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit der Funktionenerfüllung untersucht.
Grob- oder Vorauswahl (Screening):
Auswahl von Ideen anhand folgender Kriterien:
• nur erfolgversprechende Ideen
• Ideen die bestimmten Anforderungen genügen
• Ideen die ohne großen Aufwand zu prüfen sind
Die nach der Grobauswahl verbleibenden Lösungsvorschläge werden anschließend einer detaillierten Wirtschaftlichkeitsanalyse unterzogen. Ausführliche Kostenvergleichsrechnungen sind in der VDI-Richtlinie 2802 abgebildet.
Realisierung und Steuerung erarbeiteter Ergebnisse ("value control")
Prozessbeginn: Aufgabenstellung/Zielsetzung
Prozessende: Abschluss der Realisierung
Phasen des Steuerungsprozesses:
1. Steuerung der Zielerreichung bis zur Präsentation.
2. Steuerung der Zielerreichung während der Realisierung bis zur Einführung.
Terminplanung
Überwachung der Termineinhaltung durch:
• Anwendung der Netzplantechnik
• Einsatz des Balken-Diagramms "Gantt"
Prüfen der Wirtschaftlichkeit
Nach Abgrenzung der technischen Lösung erfolgt:
Ermittlung
• der Herstellungskosten pro Alternative
• der Umsätze pro Alternative
• der Deckungsbeiträge
• der Investitionsaufwendungen
Nachweis
• über i. d. R. Herstellkosteneinsparung
(unter Berücksichtigung des gleichen Funktionsvolumens wie beim Ist-Zustand).
Ausführliche Kostenvergleichsrechnungen sind in der VDI-Richtlinie 2802 abgebildet.
Kostenvergleichsrechnung
Vergleich:
• Kosten die durch die Alternative entfallen
mit
• Kosten die durch die Alternative entstehen
Wirtschaftlichkeit einer Lösung:
• investierten Aufwand
• erzielten Ertrag (jährliche Einsparung)
Neben den absoluten Werten ist vor allem auch die Relation der beiden Größen von Bedeutung.
Der Quotient beschreibt die Amortisationszeit.
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Aufwand (Investition) |
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Amortisationszeit (t) |
= |
------------------------- |
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Ertrag (Einsparung) |
Ein ausführlichen Ansatz zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit bietet die Vergleichsrechnung nach DIN 2802.
Nach dem Value Management-Arbeitsplan muss vorgegangen werden, wenn eine Aufgabe als Value Management-Studie bezeichnet werden soll!
Es ist für die im Wertanalyse-Arbeitsplan festgelegte Vorgehensweise grundsätzlich unerheblich, ob sich das gewählte Wertanalyse-Objekt noch in der Phase der Planung,Entwicklung, Konstruktion ("Entwicklungsbegleitende Wertanalyse") bzw. ("Wertgestaltung") befindet, oder ob es sich um ein Objekt handelt, das bereits gefertigt wird ("Wertverbesserung").
Unerheblich ist auch die Art des Wertanalyse-Objektes.
Dies können administrative Abläufe in der Verwaltung, Herstellungsprozesse von Produkten oder einzelne Erzeugnisse sein. |